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Die Parkinson-Erkrankung

Die folgenden Seiten vermitteln Pflegekräften und Therapeuten auf verständliche Weise wichtige Informationen zu Diagnose, Therapie und psychosozialen Aspekten der Parkinson-Erkrankung.

Symptome der Parkinson-Krankheit

Alle 4 genannten Symptome können im Verlauf eines Tages an Intensität stark wechseln.

Dies liegt zum einen an der oft wechselnden Wirksamkeit der Medikamente, zum anderen aber auch an der besonderen Anfälligkeit von Bewegungsstörungen für psychische Faktoren, wie z. B. Angst, Anspannung und Stress.

Tremor (Zittern)

Das Zittern ist bei vielen Patienten das erste Anzeichen der Parkinson-Erkrankung und führte zu der Bezeichnung "Schüttellähmung“. Das Zittern beginnt einseitig an einem Arm oder einem Bein und kann sich dann auf die anderen Extremitäten ausbreiten.

Typisch für die Parkinson-Krankheit ist im Gegensatz zu anderen Formen von Tremor, dass das Zittern vorwiegend bei entspannter Extremität und weniger beim Halten oder Bewegen der Extremität auftritt. Oft kann das Zittern durch Medikamente nur unvollständig unterdrückt werden.

Rigidität (Muskelsteifigkeit)

Dieses Symptom besteht in einer Steifheit der betroffenen Körperregionen, die leicht feststellbar ist, wenn man einen betroffenen Arm oder ein betroffenes Bein passiv durchbewegt.

Bradykinese (Minderbewegung)

Hierunter versteht man eine Verlangsamung der Bewegungsabläufe. Unter diesen Begriff fallen auch die Schwierigkeiten, eine Bewegung überhaupt zu beginnen und eine Verkleinerung des Bewegungsausmaßes. Typische Beispiele für Bradykinese sind die Verkleinerung des Schriftbildes, verlangsamtes und kleinschrittiges Gehen, aber auch die Verminderung des Ausdrucks in der Mimik und beim Sprechen.

Gleichgewichtsstörungen

Normalerweise wird unser Gleichgewicht durch Reflexe reguliert, die weitgehend automatisch ablaufen. Bei der Parkinson-Erkrankung kommt es zu einer Verminderung dieser Reflexe, so dass die Patienten immer weniger in der Lage sind, sich selbst aufzufangen, wenn sie aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Mobilisation und Krankengymnastik sind wichtig, um die Gleichgewichtsregulation möglichst lange sicherzustellen.

Behandlung der Parkinson-Krankheit

Die Therapie der Parkinson-Krankheit lässt sich in 3 wichtige Bereiche aufteilen:

  • Medikamentöse und operative Therapie
  • Physiotherapeutische, logopädische und physikalische Therapie
  • Neuropsychologische und psychologische Therapie
Medikamentöse Therapie

Die Parkinson-Krankheit entsteht dadurch, dass das Gehirn den Botenstoff Dopamin nicht mehr in ausreichender Menge herstellen kann. Dies beeinträchtigt die Übertragung von Nervenimpulsen im Gehirn und führt dann zu den bereits geschilderten Symptomen der Krankheit.

Um den Mangel an Dopamin im Gehirn auszugleichen, kann man verschiedene Medikamente verabreichen, ähnlich wie bei der Zuckerkrankheit, bei der das vom Körper nicht mehr in ausreichender Menge hergestellte Insulin als Medikament gespritzt werden muss. Bei der Parkinson-Krankheit lässt sich Dopamin allerdings nicht direkt zuführen, sondern muss in abgewandelten Formen verabreicht werden.

Dabei kommen folgende Wirkstoffe In Frage

L-Dopa

L-Dopa wurde 1961 in die Behandlung der Parkinson-Krankheit eingeführt und hatte eine enorme Verbesserung der Therapie zur Folge. Auch heute noch ist L-Dopa das wirksamste Medikament, wird jedoch meist mit anderen Medikamenten kombiniert. L-Dopa wird als Tablette eingenommen und im Gehirn zu Dopamin umgewandelt.

Dopamin-Agonisten

Im Gegensatz zu L-Dopa müssen Dopamin-Agonisten nicht mehr durch den Organismus umgewandelt werden, sondern wirken direkt an den entsprechenden Empfängerstellen im Gehirn. Trotzdem ist die Wirksamkeit dieser Präparate meist nicht ganz so stark wie die von L-Dopa. Während Nebenwirkungen wie Schwindel oder Übelkeit bei Dopamin-Agonisten häufiger als bei L-Dopa auftreten, haben Dopamin-Agonisten den Vorteil, dass sie seltener zu Überbeweglichkeit (Hyperkinesen) bei langjähriger Einnahme führen als L-Dopa.

COMT-Hemmer

Diese Präparate verlängern die Wirkdauer von L-Dopa. Natürlich ist die Einnahme daher nur sinnvoll, wenn gleichzeitig auch L-Dopa verabreicht wird.

MAO-B-Hemmer

MAO-B-Hemmer verlangsamen den Abbau von Dopamin im Gehirn und werden meist als Ergänzung mit anderen Parkinson-Medikamenten zusammen eingesetzt.

Amantadin

Amantadine haben eine geringe Wirkung gegen die Parkinson-Symptome, können aber die durch L-Dopa verursachten Überbewegungen (Hyperkinesen) verringern. Außerdem können Infusionen mit Amantadin bei sogenannten akinetischen Krisen eingesetzt werden.

Anticholinergika

Diese Medikamente werden heute nur noch selten eingesetzt, da sie zwar eine gewisse Wirkung gegen das Zittern haben, jedoch nur wenig auf die anderen Symptome wirken. Außerdem haben Anticholinergika häufig starke Nebenwirkungen.

Zu den Therapiekomplikationen zählen folgende Störungen

Wirkungsfluktuationen

Hierunter versteht man, wenn die Medikamente nicht gleichmäßig wirken, sondern der Zustand zwischen guter und schlechter Beweglichkeit wechselt, je nach dem, ob die Medikamente gerade wirken oder nicht. Diese Wirkungsfluktuationen nennt man auch ON-/OFF-Schwankungen (englisch: An-/Aus-), da die Übergänge zwischen guter und schlechter Beweglichkeit so schnell erfolgen können, als würde man einen Schalter an- bzw. ausknipsen.

Hyperkinesen

Hierunter versteht man eine überschießende Beweglichkeit, wobei unkontrollierte Bewegungen (z. B. Schwenken der Arme, Schaukeln des Rumpfes, Grimassieren, Tänzeln o. ä.) auftreten. Zu diesen Überbewegungen kommt es, wenn die Medikamentenwirkung  "über das Ziel hinausschießt".

Medikamenteninduzierte Psychose

Diese Nebenwirkung entsteht, wenn durch die Parkinson-Medikamente Halluzinationen oder Verwirrtheitszustände ausgelöst werden. Oft kündigt sich diese Störung durch vermehrte Alpträume  oder über beginnende Trugwahrnehmungen (z. B. vorbeihuschende Schatten) an.

Wichtige Informationen zu Therapiekomplikationen für Angehörige und Pflegende

Bei Wirkungsfluktuationen kann es sehr hilfreich sein, wenn ein Protokoll geführt wird, in denen die Zeiten guter und schlechter Beweglichkeit eingetragen werden, da der Arzt dann die Einstellung der Medikamente besser planen kann.

Bei den Überbewegungen sollte beachtet werden, dass es oft vorkommt, dass Betroffene sich dadurch viel weniger beeinträchtigt fühlen, als man erwarten würde. Oft wird der ON-Zustand auch bei starken und für die Umgebung sehr beeindruckenden Überbewegungen als angenehmer empfunden, als der unbewegliche (und für die Umgebung wesentlich unauffälligere) OFF-Zustand.

Alle Parkinson-Medikamente können zu Halluzinationen oder Verwirrtheitszuständen führen. Ein Warnzeichen hierfür sind oft zunehmende Alpträume. Die Halluzinationen beginnen nicht selten als harmlose sog. "Pseudohalluzinationen", bei denen die Betroffenen Tiere, Menschen oder Gegenstände sehen, von denen sie wissen, dass sie nicht vorhanden sind. Pflegende sollte die Betroffenen in dieser Situation unbedingt dazu anhalten, einen Arzt aufzusuchen, da es bei einer weiteren Steigerung dieser Symptome zu bedrohlichen, als wirklich erlebten Halluzinationen, Verfolgungswahn oder Verwirrtheitszuständen kommen kann.

Halluzinationen und Verwirrtheitszustände können durch verminderte Flüssigkeitszufuhr oder durch Entzündungen (z. B. Grippe oder Harnwegsinfekt) begünstigt werden. Da Betroffene in dieser Situation dann oft selbst nicht mehr in der Lage sind, ausreichende Angaben zu machen, sind Informationen, z. B. über vermindertes Trinken, Fieber, Hautausschläge etc. durch Angehörige und Pflegende für den Arzt von besonderer Bedeutung.

Außergewöhnliche Belastungen führen oft zu einer Zunahme der Symptome, auch wenn die Medikamente weiter unverändert eingenommen werden. Neben körperlichen Anstrengungen kann auch seelische Beanspruchung , z. B. durch Angst, Trauer oder Wut eine vorübergehende Verschlimmerung auslösen.

Besonders heikel sind plötzliche Veränderungen der Lebensbedingungen (z. B. Krankenhausaufenthalt, Heimunterbringung, Verlust von Bezugspersonen), da Menschen mit Parkinson hierbei besonders sensibel reagieren. Solche Situationen können auch das Auftreten von Halluzinationen oder Verwirrtheit begünstigen.

Besonders wichtig ist bei der medikamentösen Therapie die genaue zeitliche Abstimmung des Medikamentenplanes. Die meisten Betroffenen erhalten von ihrem Arzt einen genauen Zeitplan, auf dem verzeichnet ist, welche Medikamente zu welcher Uhrzeit eingenommen werden sollten. Viele Betroffene bemerken auch eine Zunahme der Unbeweglichkeit, wenn die Medikamente nicht pünktlich eingenommen werden.

Unbedingt zu beachten ist auch, dass Tabletten, die L-Dopa enthalten, nicht mit eiweißreicher Nahrung aufgenommen werden dürfen, da sie sonst nur vermindert in den Blutkreislauf gelangen. Diese Medikamente sollten deshalb erst mit einem Abstand von 30 Minuten vor oder 45 Minuten nach dem Essen eingenommen werden.

Manche Betroffene haben neben dem festen Medikamentenplan auch noch eine Bedarfsmedikation, die sie einnehmen können, wenn plötzliche Unbeweglichkeit (OFF-Phase) auftritt, besondere Belastungen auftreten oder die Wirkung der vorangegangenen Medikamentendosis ausbleibt. Häufig wird als Bedarfsmedikation ein wasserlösliches L-Dopa-Präparat (z. B. Madopar LT ® oder Isicom ®) verordnet, das vor Gebrauch zum schnelleren Wirkungseintritt in Wasser aufgelöst werden sollte. Manche Patienten erhalten gegen plötzliche OFF-Phasen auch subkutane Spritzen mit dem Dopamin-Agonisten (Apomorphin) oder ein L-Dopa-haltiges Inhalationspulver.

Medikamente, die bei Parkinson-Krankheit vermieden werden sollten

Kontraindiziert sind bei der Parkinson-Erkrankung alle Medikamente, die hemmend in den Dopamin-Stoffwechsel eingreifen. Hierzu zählen vor allem die sogenannten Neuroleptika, die zur Behandlung der Schizophrenie, aber auch als Beruhigungsmittel oder bei Verwirrtheitszuständen verordnet werden.

Bekannte Präparate aus dieser Wirkstoffgruppe sind z. B. Haloperidol, Olanzapin, Aripiprazol Risperidon und Melperon. Nach längerer Einnahme, gelegentlich aber auch nach erstmaligem Einsatz dieser Präparate, kann es zu einer schweren Zunahme der Parkinson-Symptome kommen. Auch das häufig gegen Übelkeit oder Magenträgheit verwendete Mittel Metoclopramid kann zu einer Verschlimmerung der Parkinson-Symptome führen und sollte daher vermieden werden.

Spezielle Probleme

Auffassungsvermögen / Orientierung

Bei langer Dauer der Parkinson-Erkrankung kann es zu Einschränkungen der Hirnleistungen kommen. Die Bezeichnung "Bradyphrenie" bezeichnet eine "allgemeine Verlangsamung aller psychischen Vorgänge". Patienten, deren Hirnleistungsfähigkeit durch die Erkrankung beeinträchtigt ist, zeigen ein verlangsamtes Auffassungsvermögen, Vergesslichkeit, Umständlichkeit und Zerstreutheit. Besonders schwer fallen alle Tätigkeiten oder Situationen, die neu oder ungewohnt sind. Bei stark fortgeschrittener Verminderung der Hirnleistung kommt es auch zu Gedächtnisstörungen, der Patient findet sich zunehmend weniger im Alltag zurecht. Im Extremfall kann das zu Verwirrtheitszuständen führen, bei denen der Patient/in in Gefahr gerät, sich selbst durch unbedachtes Handeln zu verletzen (z. B. durch Stürze, Verbrennungen usw.). Begünstigt werden solche Zustände durch verminderte Flüssigkeitszufuhr, unregelmäßige oder falsche Tabletteneinnahme oder begleitende Infektionskrankheiten.

Hilfe für Patienten mit psychischen Störungen

Bereits erwähnt wurde die Wichtigkeit von sozialen Aktivitäten bei Motivationsmangel und depressiven Zuständen. Kontakte zu Familienangehörigen, Nachbarn, Selbsthilfegruppen oder andere Kontaktmöglichkeiten (z. B. Kirchengemeinde, Seniorenclub) können hierbei hilfreich sein. Bei verminderter Hirnleistung ist es wichtig, den Tagesablauf einfach und klar strukturiert vorzugeben. Gemeinsam mit dem Patienten sollte der Tagesablauf besprochen und evtl. aufgeschrieben werden. Ängstliche Patienten sollten beruhigt werden ("es holt sie immer jemand ab, es wird alles für sie erledigt").

Bei schwerer Orientierungsstörung sollte man es vermeiden, Uhrzeiten zu nennen. Hinweise wie "das war vor einer halben Stunde" sind oft nutzlos, da den Patienten das Zeitgefühl häufig fehlt. Im Gespräch und bei der Pflege sollte der Patient möglichst aktiv sein, wichtig ist es jedoch, Misserfolge für den Patienten zu vermeiden. Statt dessen sollte nach Möglichkeiten gesucht werden, den Patienten Erfolgserlebnisse zu verschaffen, z. B. beim selbständigen Verrichten einfacher Tätigkeiten oder durch leicht zu beantwortende Fragen.

Sprech- und Schluckstörungen

Ähnlich wie andere motorische Leistungen ist auch das Sprechen bei der Parkinson-Erkrankung betroffen. Sehr häufig wird die Sprache leiser und monotoner, als dies vor Krankheitsbeginn der Fall war, wobei Sprechstörungen nicht immer durch Parkinson-Medikamente gebessert werden. Vor allem bei längerem Krankheitsverlauf verschlechtert sich das Sprechen gelegentlich so stark, dass das Verstehen erschwert wird. Typische Veränderungen sind dann neben der Verminderung von Lautstärke und Ausdruck ein überhastetes Sprechtempo, bei dem die Pausen und Übergänge zwischen einzelnen Worten undeutlich und verwaschen sind.

Andere Faktoren, die das Sprechen beeinträchtigen können, sind vermehrter Speichelfluss oder auch Mundtrockenheit. Ein Tremor oder medikamentös hervorgerufene Überbewegungen können ebenfalls zu Veränderungen des Sprechens führen.

Störungen des Schluckens treten meist unbemerkt auch in frühen Krankheitsstadien auf. In späten Krankheitsstadien oder bei den atypischen Parkinson-Syndromen kann es durch Aspiration von Nahrung in die Luftröhre zu Lungenentzündungen kommen .

Einige nicht zu übersehende Zeichen für eine Schluckstörung sind:

  • Ständiger Speichelfluss
  • Ausspucken des Speichels
  • Nahrung wird lange im Mund gehortet, darauf herumgekaut, spät geschluckt, evtl. wieder ausgespuckt oder sie läuft aus dem Mund
  • Lange nach der Nahrungsaufnahme finden sich noch Speisereste im Mund (am Gaumen, am Zahnfleisch, in den Wangentaschen - das Wo ist aufschlussreich zur Behandlung)
  • Beim Trinken kommt es zum Verschlucken
  • Flüssigkeiten oder Speisen kommen aus der Nase
  • Steckenbleiben der Nahrung im Hals oder in der Brustgegend
  • Nasse, gurgelnde Stimme (Vorsicht: höchstes Alarmzeichen für eine bereits erfolgte Aspiration)
  • Unvermögen, willkürlich zu husten
  • Ständiges Räuspern: Zeichen einer sog. "silent aspiration".

Die Ursache der Schluckstörungen bei Parkinson ist vor allem eine Minderbewegung von Mund, Schlund und Atemmuskulatur. Erkennbar sind die mangelnde Beweglichkeit der Lippen, mangelhafte Kaubewegungen und der abgeschwächte Hustenreflex oder zu wenig kräftiger Husten. Zusätzlich kommt es zu Pump-Stoß-Bewegungen der Zunge: die Nahrung wird immer wieder nach vorn gestoßen und zu mangelnder peristaltischer Bewegung der Rachenhinterwandmuskulatur, d. h. die Nahrung wird nicht kräftig genug nach unten gesogen.

Hilfe für Patienten mit Sprech- und Schluckstörungen

Da bei Sprechstörungen die Gefahr besteht, dass Betroffene nicht mehr an der Kommunikation mit anderen teilnehmen und in zunehmende Einsamkeit und Isolation geraten, ist es besonders wichtig, alle noch vorhandenen Möglichkeiten zum Gespräch auszunutzen. Versuchen Sie, optimale Bedingungen schaffen, um überhaupt verstehen zu können, d. h. nicht auf dem Flur oder in lärmiger Umgebung sprechen. Regen Sie Blickkontakt an: "Schauen sie mich doch mal an, dann kann ich Sie besser verstehen.", desgleichen zum Aufrichten auffordern.

Oft können Betroffene, wenn sie von ihrem Gegenüber dazu aufgefordert werden, zumindest für einen kurzen Zeitraum lauter und deutlicher sprechen. Es ist daher keineswegs "schulmeisterlich" sondern sehr sinnvoll,  immer wieder darauf hinzuweisen, wenn die Sprache zu leise, zu schnell oder zu undeutlich wird. Gleichzeitig ist auch viel Geduld, Zeit und konzentriertes Zuhören erforderlich, gerade, wenn die Versuchung besteht, dem Betroffenen "das Wort aus dem Mund" zu nehmen. Nichts kann einer weiteren Sprachverschlechterung besser vorbeugen als das Üben des Sprechens in alltäglichen Situationen.

Ist ein Gespräch bei sehr schwer ausgeprägten Sprechstörungen nicht mehr möglich, sollten Alternativfragen gestellt werden, die mit ja oder nein beantworten werden können (z. B. "Möchten Sie sich hinlegen oder hinsetzen?"). Bei Mundtrockenheit häufiger etwas zum Trinken oder Lutschen anbieten (z. B. Glandosane-Spray, Lemon-Stick).

Wenn die Sprache überhastet ist und/oder die Übergänge zwischen den Worten fehlen, kann gelegentlich ein Taktgeber (z.B. Takt mit den Fingern klopfen, pacing board) nützlich sein, um einen klaren Sprechrhythmus wiederzufinden.

Einige Tipps zum Umgang mit  Schluckstörungen:

  • Die Nahrung bitte niemals im Liegen verabreichen.
  • Kopf beim Schlucken nicht in Überstreckung bringen, Kinn zur Brust senken lassen..
  • Beim Verschlucken nie auf den Rücken klopfen.
  • Wenn vorhanden, Logopäden informieren, der Schlucktraining durchführen soll.
  • Auf gute Mundhygiene achten, insbesondere auf Säuberung der Wangentaschen, da der Patient dies allein nicht mehr schafft.
  • Bei Mundtrockenheit Verabreichen von Zitronenstäbchen oder Glandosane-Spray.
Störungen der Körperhaltung, des Gehens und des Gleichgewichtes

Gang- und Gleichgewichtsstörungen sind die wichtigsten Ursachen für das Auftreten von Behinderung durch die Parkinson-Erkrankung. Zu Beginn der Erkrankung handelt es sich meistens nur um eine gewisse Verlangsamung des Gehens, die oft nicht als Krankheitszeichen erkannt, sondern als altersbedingt eingestuft wird.

Mit zunehmender Krankheitsdauer wird der Gang immer kleinschrittiger und es kann zu motorischen Blockaden kommen. Blockaden äussern sich zum Beispiel dadurch, dass es Schwierigkeiten bereitet, aus dem Stand heraus den ersten Schritt zu unternehmen (Startverzögerung).

Ein ähnliches Phänomen stellt das sogenannte Freezing (Einfrieren) dar, bei dem Betroffene aus dem Gehen heraus plötzlich "steckenbleiben" und nicht weitergehen können. Auffälligerweise ist das Freezing oft an bestimmte Auslöser gebunden und tritt bei einigen Betroffenen z. B. nur beim Durchschreiten von Türbögen und beim Passieren von Engpässen auf. Auch Angst oder Stress können Auslöser für Startverzögerung und Freezing sein. Da dieses Symptom so stark an bestimmte Situationen gebunden ist, wird es von uninformierten Beobachtern oft irrtümlich für psychisch bedingt oder simuliert gehalten. Viele Betroffene verfügen über sogenannte Trickmanöver, mit denen sie die Blockaden zumindest kurzfristig überwinden können. Hierzu zählen besonders selbst gegebene akustische Kommandos oder die Konzentration auf bestimmte optische Details der Gehstrecke (z. B. Streifen im Teppichmuster, Bodenschwellen etc.).

Nicht nur behindernd, sondern außerdem auch noch gefährdet sind Stürze, die in fortgeschrittenen Krankheitsstadien auftreten können. Es ist allgemein bekannt, dass Menschen im höheren Lebensalter aufgrund von Osteoporose und verminderter Muskelkraft bei Stürzen vermehrt verletzungsgefährdet sind. Bei der Parkinson-Erkrankung wird dieses Problem noch dadurch verstärkt, dass wichtige Schutzreflexe fehlen können, wie z. B. das Ausstrecken der Arme beim Sturz oder das Abrollen mit dem Rumpf.

Im Extremfall kann es passieren, dass der Betroffene "wie ein Brett" zu Boden fällt, sobald er aus dem Gleichgewicht gerät. Oft sind Betroffene nach Stürzen sehr ängstlich und schränken ihre Mobilität noch weiter ein, als es bereits vor dem Sturz der Fall war, womit sich der Teufelskreis aus sich vermindernder Mobilität und zunehmender Hilfsbedürftigkeit schließt.

Die Vorbeugung des Oberkörpers ist ein typisches Merkmal der Haltungsstörung bei der Parkinson-Erkrankung. Gelegentlich kann diese Störung sehr starke Ausmaße annehmen und die Sturzgefahr dadurch erhöhen, dass der Körperschwerpunkt weit nach vorne verlagert wird. Auffällig ist, dass die Vorbeugung des Oberkörpers oft nur im Stehen und Gehen auftritt und durch willentliche Anstrengung vorübergehend korrigiert werden kann.

Hilfe bei Störungen der Körperhaltung, des Gehens und des Gleichgewichts

Es ist wichtig, den Betroffenen durch Kontrolle und Rückmeldung von außen zu helfen, die Verminderung der eigenen Körperkontrolle auszugleichen. Regelmäßiges Erinnern und Ermuntern, den Oberkörper aufrecht zu halten, lange Schritte zu machen und die Arme beim Gehen mitzuschwingen, können sehr wirkungsvoll sein. Beim Auftreten von Blockaden (Startverzögerung oder Freezing) können  gemeinsam Strategien zur Überwindung der Blockaden entwickelt werden. Besonders bewährt hat sich ein Manöver, bei dem der Begleiter einen Fuß vor die Füße des Betroffenen stellt und ihn dazu auffordert, über diesen Fuß hinwegzusteigen.

Andere Tricks sind das Geben eines akustischen Kommandos ("Auf die Plätze, fertig, los!") oder das Anbringen von Signalstreifen an kritischen Stellen (Türdurchgänge, Engpässe). Manche Betroffene profitieren auch von dem sogenannten Anti-Freezing-Stock, bei dem durch einen kleinen Hebel am Griff eine horizontale Leiste ausgeklappt werden kann, durch deren Übersteigen die Blockade überwunden wird.

Weitere Hilfsmittel zur Verbesserung des Gehens und zum Überwinden von Blockaden sind rhythmische Musik, rhythmisches Klatschen und unterstütztes Gehen. Bei Sturzgefahr sollte darauf geachtet werden, die Verletzungsmöglichkeiten in der häuslichen Umgebung so gering wie möglich zu halten (Kanten polstern, Engpässe vermeiden, Türschwellen beseitigen, etc.)

Gemeinsam mit den Physiotherapeuten sollte auch eine Hilfsmittelversorgung, z. B. mit einem Rollator, besprochen werden. Manche Betroffene mit einer Haltungsstörung profitieren vom Tragen eines kleinen Rucksackes, durch den der Körperschwerpunkt nach hinten verlagert und das Aufrichten des Oberkörpers erleichtert wird.

Betroffene im fortgeschrittenen Krankheitsstadium sind manchmal nicht in der Lage, sich nachts selbständig zu drehen, in schwersten Fällen kann auch tagsüber vollständige oder weitgehende Immobilität bestehen. In diesen Fällen sollten die Betroffenen häufig umgelagert werden, wobei die Lagerung im Allgemeinen so flach wie möglich erfolgen sollte. Die korrekte Lagerung sollte in einem entsprechenden Fachkursus sorgfältig erlernt und geübt werden. Falsche Lagerung oder zu seltenes Umlagern begünstigen das Auftreten von Dekubitus, Kreislaufschwäche und Kontrakturen.

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